Eine etwas andere Saga

Joa, Assassin’s Creed Valhalla erreichte bei mir bei der Ankündigung keine grosse Euphorie. Einerseits interessierten mich die Wikinger im Vergleich zur Antike eher weniger, andererseits fällt es mir schwer, eine Bande von Meuchelmörder mit Wikingern in Verbindung zu bringen. Plündern, Rauben und Brandschatzen oder mit dem Langboot durch die vielen Flüsse von England (Oder Englaland, wie es früher hiess) zu fahren macht zwar Spass, jedoch ist das Storytelling bei weitem nicht so gut wie bei anderen Titel der Reihe.

Jedes Mal, wenn die Story eine gute Aussicht auf etwas tiefgründiges hat, verschwindet dieser Moment gleich wieder. Klar, die meisten Gamer wollen morden und brandschatzen, aber hier wurde meiner Meinung nach sehr viel Potential in den Wind geschossen. Durch die fehlende Tiefgründigkeit verliert man daher meiner Meinung nach schneller das Interesse an der Hauptfigur oder an den Nebencharaktern, welche man im Verlauf des Spieles trifft. Dabei sieht das Spiel im grossen und Ganzen gar nicht mal so schlecht aus und es spielt sich auch relativ gut (Abgesehen von diversen Bugs und Abstürzen).

Die Story beginnt ungefähr im Jahr 873 n. Chr. und somit ist das Setting eigentlich sehr reizvoll. Das Mittelalter, Wikinger, England und Norwegen sowie die nordische Mythologie machen auf den ersten Blick einen sehr verlockenden Eindruck – Besonders, wenn man ein Fan der Serie Vikings ist, könnte Assassin’s Creed Valhalla interessant sein. Man lernt im Verlauf der Handlung einige geschichtliche Hintergründe oder hört Geschichten über zum Beispiel Ragnar Lodbrok und dessen Söhne. Natürlich muss man hier aufpassen, dass man nicht falsche, sondern richtige Fakten lernt. Aus diesem Grund soll hierfür wie in Odyssey eine sogenannte Entdeckungstour erscheinen, die nur geschichtliche Fakten zu Orten und Personen liefert.

Die Landschaftsgestaltung ist meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Egal ob man in Norwegen oder England ist, man findet hier und da immer wieder etwas, das man Erkunden möchte. Britannien wurde in der Antike stark von den Römern besetzt und sie errichteten dort auch einige Städte (Zum Beispiel Londinium, aus dem später London wurde). Das zu dieser Zeit bereits zerfallene römische Reich hinterlässt dabei aber immer noch eine starke Präsenz. London zum Beispiel (Oder Lunden, wie es damals hiess) besteht zu einem sehr grossen Teil aus römischen Ruinen.

Norwegen
Norwegen
Stadttor von London
Das damalige Zentrum von London
Kampfarena
Verfallenes Badehaus in London (Lunden)

Storytelling

Assassin’s Creed Valhalla fängt wie so mancher Teil aus der Reihe mit dem Standard-Motiv Rache an. Eivor, der Protagonist, sieht als Kind zu, wie bei einem Überfall auf die Heimat beide Eltern ermordet werden. Danach gibts eine kurze Zwischensequenz, die einige Jahre überspringt und man spielt als Erwachsener weiter und versucht sich am Mörder der Eltern zu rächen.

Darum geht es in der gesamten ersten Sequenz. Man lernt natürlich seine Verbündete, ein wenig den nordischen Glauben sowie die damalige Hierarchie und Ordnung kennen. Diese Sequenz spielt dabei nur in Norwegen ab. Wobei das verfügbare Gebiet in Norwegen, welches man erforschen kann, bereits sehr gross ist.

Ein paar Stunden sowie ein Racheakt später geht es dann darum, dass man sich in England niederlassen möchte – Sorry, aber ohne Spoiler geht es leider nicht, dafür halte ich mich in Bezug auf Spoiler so wortkarg wie möglich. In England geht es dann darum, dass man sich mit den diversen Wikingern und Königen verbündet und sich so seinen Platz in England sichert. Dabei trifft man auf diverse Persönlichkeiten, welche man aus der Weltgeschichte kennt. Unter anderem sind das die Söhne von Ragnar Lodbrock (Ubba, Halfdan und Ivarr der Knochenlose) König Aelfred von West-Sachse und König Harald I. von Nordvege.

Das Setting

Assassin’s Creed Valhalla spielt in der Wikingerzeit, welche von ungefähr 790 – 1066 n. Chr dauerte. Die Geschichte findet dabei um ca. 843 n. Chr. statt. Zu dieser Zeit haben die Söhne von Ragnar Lodbrock England bereits besiedelt und leben dort. Auch wurde bereits der Kontinent Amerika (Damals Vinland genannt) von den Wikingern entdeckt, wo sie mit den dort Einheimischen Handel betrieben.

Der damalige König Aelfred der Grosse, König von Wessex herrschte damals in England und musste sich wohl oder übel mit den dort einfallenden Wikingern auseinandersetzen. Neben dieser Feindseligkeit entstand natürlich auch durch die unterschiedlichen Religionen ein Konflikt. So kam es dann um ca. 850 n. Chr. dazu, dass drei Religionen aufeinandertrafen: der nordische Glauben, das angelsächsische Christentum sowie das Christentum der romano-britischen Bevölkerung.

Die Angriffe der Wikinger auf England dauerten mehrere Jahrzehnte an und selbst König Aelfred musste einige Niederlagen einstecken. Erst als er 892 n. Chr. ein Angriff der Wikinger zurückschlagen konnte, liessen die Wikingerangriffe immer mehr nach.

Die Wikinger waren allerdings nicht nur in England tätig. Sie plünderten bis ins Herz von Europa und sogar Städte wie Paris, Bonn, Köln und Löwen (Belgien) mussten sich den Wikingern stellen.

Der Hauptcharakter

Die Assassin’s Creed-Reihe zeichnete sich dadurch aus, dass man in der Haupthandlung Erinnerungen eines Vorfahren nacherleben kann. Bis zu Assassin’s Odyssey war damit der Hauptcharakter immer vorgegeben. Es war bisher immer ganz klar definiert, ob der Protagonist männlich oder weiblich ist, wobei sich nun aber der sogenannte RPG-Style erkennbar macht: Man möchte dem Spieler möglichst viele Freiheiten bieten und darum kann das Geschlecht nun vom Spieler ausgewählt werden. An sich finde ich das eine super Sache. Jedem so, wie er es gerne hat. Wenn man dann aber sagt, dass eigentlich der weibliche Charakter die «richtige» Wahl ist, stellt sich mir die Frage, warum man dem Spieler überhaupt eine Wahl zur Verfügung stellt?

Aber genug davon. Kommen wir nun zum Hauptcharakter Eivor Wolfsmal:

Da ich Geschichten normalerweise so original wie möglich am liebsten habe, wollte ich zuerst die von Ubisoft vorgeschlagene «richtige» Wahl treffen. Dann fiel mir aber auf, dass diese Version, also den männlichen Eivor und die weibliche Eivor (Was für ein komischer Satz) abwechseln. Sprich, man spielt mal als Männchen und manchmal als Weibchen… Sehr originell, leider nichts für mich. Also Zack, weibliche Eivor soll es sein (Wobei mich die Vorstellung der Walküren zu dieser Wahl unterstützen). Ausserdem kam mir eine weibliche Wikingerin (Oder Schildmaid) deutlich mehr Badass vor. Was für ein Wikinger man sein will, kann man sich in manchen Dialog-Optionen zurechtlegen. Im grossen und Ganzen kann oder muss man das Wikinger-Leben ausschöpfen.

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