Seitdem ich meine Wochentage mit Kurzarbeit verbringe, sehen meine Nachmittage deutlich freier aus. Diese gestalten sich hauptsächlich durch Bewegung in Form vom sinnlosen Umherlaufen zwischen Wald und See, Hanteltraining und hin und wieder etwas Netflix sowie mein uraltes Hobby: zeichnen.

Zusammen mit meinen Eltern schaue ich neben dem Punisher zur Zeit auch Daredevil. Wobei ich regelmässig hören darf, dass Sie den Punisher bevorzugen und wann dieser wieder bei Daredevil zu sehen sei. (Ja, das war ein Spoiler, aber die zweite Staffel erschien im März 2016, also selber Schuld) Um ganz ehrlich zu sein, bedeuteten mir diese beiden Marvel „Helden“ nichts, bis ich anfing die Serien zu schauen. Ich wusste zwar, dass es Sie gibt aber na ja. Mittlerweile muss ich sagen, dass mehr hinter diesen beiden Charakteren steckt, als ich zunächst angenommen habe. Normalerweise, wenn man an einen Helden denkt, stellt man sich automatisch sinnlose Schlägereien vor. Die sogenannten Helden stellen sich dabei immer über das Gesetz oder das System.

Daredevil
Daredevil Mask
Daredevil Billy Club
Daredevil Billy Club

„I know my truth now. In front of this god… I’d rather die as the devil than live as Matt Murdock.“

– Matt Murdock – Daredevil

Fakten und Fragen

Nun stellt sich wie schon seit je her die Frage, ob selbst ernannte Gesetzeshüter in Ordnung sind oder nicht. Kann sich ein Individuum über das Gesetz stellen, um dem Gesetz behilflich zu sein? Grundsätzlich lautet die Antwort Nein. Niemand steht über dem Gesetz. Unser System basiert auf diesen Gesetzen und aus diesem Grund kann sich niemand über das Gesetz stellen. Aber genau hier liegt der Hund begraben.

Niemand steht über dem Gesetz. Man begeht ein Verbrechen und wird anhand des Verbrechens bestraft – das gilt für jeden Menschen. Soweit so gut. Wenn wir aber einen genaueren Blick auf zum Beispiel Drogenbarone oder berühmte Verbrecher wie Pablo Escobar werfen, beginnt man zu zweifeln. Wie kann es sein, dass ein verurteilter Straftäter sein eigenes Gefängnis bauen kann? Oder noch besser: Wenn dem Verbrecher „Sonderregeln“ angeboten werden, weil er wichtige Informationen besitzt. Wie würde man als Person reagieren, wenn der Mörder eines geliebten Menschen plötzlich nach fünf Jahren wieder frei herumläuft, anstatt erst nach 20 – 25 Jahren?

Daraus stellt sich die Frage, ob es fair ist, für wichtige Informationen zu einem anderen Verbrechen die Strafe zu mindern? Hier könnte man argumentieren, ob es schlimm ist, wenn ein kleiner Drogendealer ein ganzes Netzwerk ans Messer liefert. Wäre es hier fair ein Auge zuzudrücken? Wenn ja, müsste man nicht genauso vorgehen, wenn es sich um einen Serienmörder handelt? Denn schliesslich ist das Gesetz für alle gleich, oder nicht?

Die Todesstrafe

Oftmals hört man Sätze wie „Man sollte die Todesstrafe wiedereinführen. Warum sollte ein Mörder einfach weiterleben dürfen?!“ oder „Wenn er tot ist, kostet er den Steuerzahler nichts mehr.“ Diese Sätze sollten uns dringend zum Nachdenken bewegen. Ja, die Frage ist berechtigt. Ja, ein vorsätzlicher Mord ist das schlimmste Verbrechen überhaupt, und ja, ein Insasse im Gefängnis verursacht kosten. Aber nicht jeder, der im Gefängnis sitzt, ist auch automatisch schuldig. Zum Beispiel in den vereinigten Staaten gibt es Tausende Fälle von unschuldigen Personen, die im Gefängnis gelandet sind. Erst Jahre später wurden einige von ihnen wieder freigesprochen, weil sich herausstellte, dass Beweise gefälscht wurden oder man so schnell wie möglich einen Sündenbock brauchte. Darüber, dass deren leben wegen einem Fehler, einer Intrige oder Korruption im Eimer ist, muss man nun wirklich nicht diskutieren. Aber man stelle sich vor, die Todesstrafe wäre zu dieser Zeit noch eine legale Strafe gewesen. Nicht nur wurde ein Unschuldiger eingesperrt, er wurde auch gleich noch systematisch ermordet.

Der Punisher

All the things that I’d done. Memories, they never hurt me. The past is more than memories. It’s the devil you sold your soul to.

– Frank Castle – Punisher

Ein passendes Beispiel einer Antwort für diese Fragen findet man in Frank Castle – aka Punisher wieder. Frank Castle’s Familie fiel der Korruption und dem Versagen des Systems zum Opfer. Das System hatte dabei versagt, die Mörder seiner Frau und seiner beiden Kinder zu bestrafen. Warum hat das System aber bei Frank Castle’s Fall versagt? Einerseits war es die Korruption innerhalb der Behörden bis hinauf zu den Regierungsmitgliedern.

Im Kontext, wenn man der Chef einer Behörde ist und tief genug in der Korruption steckt und diese vorantreibt, dann endet man nicht im Knast. In diesem Falle ist das Ende jedoch alles andere als rosig, wenn der Mann, den man tot sehen wollte, überlebt. Wie bei jedem Menschen würde hier automatisch der Gedanke an Rache entstehen. Und genau dieser Gedanke brachte Frank Castle dazu die Mörder seiner Familie zu bestrafen. Doch anstatt danach aufzuhören, machte er es zu seiner Aufgabe jeden Kriminellen, der es verdient hat, zu töten. Dabei verspürt er weder Reue noch Mitleid. In seinen Augen hat das System versagt.

Antiheld

Der Punisher ist das beste Beispiel für einen Antihelden. Er versucht etwas gutes zu tun – jedoch mit jedem Mittel. Er tötet Verbrecher, weil er davon überzeugt ist, dass es die einzige Lösung sei um die Strassen sicherer zu machen. Dabei entsteht aber der grosse Widerspruch beim Punisher. Er begeht gezielt Morde und tötet jeden, der Verbrechen begangen, indem er selbst zum Verbrecher wird. Man muss sagen, dass die Logik hinter seinem Vorgehen nicht falsch ist. Wenn es keine Verbrecher mehr gibt bis auf ihn, dann ist seine Mission erfüllt.

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